Putsch in der Türkei, Veranstaltung mit Kerem Schamberger am Sa., 21.1.

Die Lage in der Türkei und in Kurdistan ist aktuell sehr polarisiert und Informationen sind nur schwer zugänglich. Während in den Regionen Afrin, Kobane und Jasira im Norden Syriens zum Jahreswechsel ein verfassungsgebender Prozess beschlossen wurde, der den „demokratischen Konföderalismus“ – also die basisdemokratische, geschlechtergerechte, kulturell plurale und wirtschaftliche Selbstverwaltung der Gesellschaft – in den nächsten sechs Monaten zur Abstimmung stellt [1], geht das AKP-Regime unter Erdogan weiter mit faschistoider Brutalität gegen jegliche Kritiker*innen vor.

Die türkische Regierung hat nach den Wahlerfolgen der HDP bei den Parlamentswahlen 2015 und der Ausweitung der kurdischen Selbstverwaltung im Osten der Türkei und in Nordsyrien den Friedensprozess aufgekündigt und einen brutalen Bürgerkrieg angezettelt. Mit dem Putschversuch von Teilen des Militärs und seiner Niederschlagung durch AKP-treue Spezialeinheiten und Polizei am 15.7.16 begann eine neue Ära. Sämtliche Widersacher*innen der Regierungspartei in den Behörden, Ministerien, Universitäten und im Militär wurden seitdem ausgeschaltet. Mehr als 140.000 Entlassungen und Suspendierungen, mehrere zehntausend Inhaftierungen und eine komplette Umstrukturierung des Militärs sprechen für sich. Mittlerweile gibt es so gut wie keine kurdischen und pro-demokratischen Medien mehr, die Tageszeitung Özgür Gündem, sowie der Nachrichtenkanal imc TV wurden verboten. Selbst der kurdische Kinderkanal Zarok TV darf nicht mehr senden. Die einzigen, die starken Widerstand leisten, sind auf parlamentarischer Ebene die Demokratische Partei der Völker, HDP, und die kurdische Freiheitsbewegung. Doch wird das ausreichen?

Kerem Schamberger ist eine der wichtigsten deutschsprachigen Quellen tagesaktueller und analytischer Nachrichten über die dortigen Auseinandersetzungen. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung veröffentlicht mittlerweile wöchentlich einen „Schamberger-Report“ mit einer Übersicht seiner Meldungen [2], weil er von facebook regelmäßig zensiert wird. Kerem ist u.a. Mitglied in der DKP und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA), weshalb er vom bayrischen Verfassungsschutz monatelang mit einem faktischen Berufsverbot an der Ludwig-Maximilian-Universität München als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Kommunikationswissenschaft belegt wurde. [3] Diese Blockade musste nach einer großen Solidaritätswelle und viel öffentlichen Druck mittlerweile aufgehoben werden. Auch über diesen Vorgang und die Rolle kritischer Wissenschaft in den aktuellen Auseinandersetzungen werden wir mit ihm im zweiten Teil der Veranstaltung sprechen.

Kerem Schamberger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der LMU München und u.a. Sprecher der DKP München.

Veranstalter*innen: Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK/JXK), AStA und teilautonomes Referat für Internationale Solidarität der Universität Hamburg

Am Sa., 21.1., 19 Uhr in der ehem. HWP

Facebook-Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/352755638433149/

[1] http://www.nzz.ch/international/krieg-in-syrien-kurden-beschliessen-verfassung-fuer-ihr-gebiet-ld.137475
[2] https://www.rosalux.de/staatdemokratie/nachrichten/nachricht/news/42934/der-schamberger-report-iii-kopie-1.html
[3] http://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-berufsverbot-fuer-erdogan-kritiker-der-fall-kerem-schamberger-100.html

01.11.: Mit Rassismus für Frauenrechte? Die Kölner Silvesternacht und ihre Folgen

Die Silvesternacht in Köln steht für einen Wendepunkt deutscher Flüchtlingspolitik.

In der politischen und medialen Auseinandersetzung dominierten unter dem Deckmantel der “Meinungsfreiheit” nur wenige Tage nach Silvester rassistische Klischees über den “sexistischen und gewalttätigen Araber”, die letztlich zur Rechtfertigung restriktiver Flüchtlings- und Sicherheitspolitik herangezogen wurden.
Sie gingen einher mit der Festigung des Selbstbildes westlicher Gesellschaften die durch das Prinzip der Geschlechtergleichheit geprägt seien. Jener vermeintliche Wertekanon gerate in jüngster Vergangenheit aber durch hohe Zahlen “krimineller Flüchtlinge” in Gefahr. Die Verknüpfung von Rassismus und Sexismus ist jedoch nichts Neues, sondern weist historische Kontinuitäten auf. Insofern steht die „Kölner Silvesterdebatte“ beispielhaft für die Instrumentalisierung von Frauenrechten für rassistische Bilder. Aus einer feministischen Perspektive ist es notwendig diese Instrumentalisierung vermeintlich feministischer Diskurse als solche zu benennen und anzugreifen. Der Vortrag wirft einen Blick in die mediale und politische Debatte „nach Silvester“ und stellt die Frage nach der Verknüpfung von Rassismus und Sexismus innerhalb der Debatte.

Sara Madjlessi-Roudi ist Mitarbeiterin der HS Düsseldorf und des Duisburger Instituts für Sozialforschung (DISS).

Der Vortrag von Sara Madjlessi-Roudi findet am 01.11.2016 um 18.00 Uhr im Alle Frauen* Raum statt.
Allendeplatz 1 (Pferdestall), Raum 111, 1. Stock rechts.