Beratungsangebot

Beratungsangebot des Alle Frauen* Referats
 

Auch wenn man häufig davon ausgeht, dass die Universität ein „Biotop“ ist, an welchem viele vermeintlich reflektierte Menschen aufeinandertreffen und miteinander voneinander lernen, sieht der Alltag häufig doch ganz anders aus.Gerade an der Universität werden gesamtgesellschaftliche Diskriminierungen und Geschlechterstereotypen ganz offen ausgelebt und reproduziert. Diese zeigen sich vor allem am Anstieg sexualisierter Gewalt und Sexismus, auch innerhalb der Universität.

Alltäglicher Sexismus: „Das darf man doch wohl noch sagen dürfen!“

Sexismus gehört zu unserem Alltag. Dabei nehmen wir ihn nicht bewusst wahr,  weil er alltäglich und in der Gesellschaft normalisiert ist. In einem universitären Kontext umfasst alltäglicher Sexismus alle Muster und Praktiken, durch denen Frauen* suggeriert wird, nicht geeignet und kompetent genug für das wissenschaftliche Arbeiten zu sein. 
An Hochschulen kann sich der alltägliche Sexismus unter anderem in der Diskussionskultur, der Abwertung von fachlichen Kompetenzen oder der Objektifizierung von Frauen* zeigen.
Schließen noch ungefähr gleich viele Studenten und Studentinnen den Bachelor ab, werden es je höher der akademische Rang ist, immer weniger Frauen; nur 13 % der Professor*Innen an der Universität Hamburg sind weiblich. Ungleichheiten in der Bezahlung, sowie das auf Grund von Kürzungen und Mangelfinanzierung auf Überstunden und harten Workload ausgerichtete akademische System führt häufig dazu, dass Frauen sich häufiger dazu entscheiden, zuhause zu bleiben und die Reproduktions- und Hausarbeiten zu übernehmen, wenn eine Paarbeziehung vorliegt.
Dies kann sehr leicht zu einem Machtvakuum und einer Machtkonzentration zu Ungunsten weiblicher Studierender führen, grade auch weil häufig positive und starke weibliche Vorbilder fehlen. Darüber hinaus werden auch vielen Studierenden in der Sozialisation falsche Rollenbilder vermittelt. ? Häufig führt eine genderspezifische Erziehung dazu, dass Mädchen* früh eingeredet bekommen, ruhig, schüchtern und zurückhaltend zu sein, während Jungen dazu ermutigt werden, laut, stark und selbstbewusst zu sein. In der späteren Konsequenz folgt daraus, dass Mädchen sich weniger zutrauen und Jungen häufiger sich selbst und ihre Kompetenzen überbewerten und überschätzen, die Mädchen aber auf Grund von ihrer Sozialisation sich eher zurücknehmen und verzichten- trotz höherer Kompetenz. 
Auch wenn sexistische Diskriminierungserfahrungen subjektiv wahrgenommen werden und die Grenze zwischen einer sexistischen und nicht-sexistischen Handlung fließend sein kann, so sind diese Grenzen nicht beliebig. Es geht darum zu verstehen, inwiefern eine Ungleichbehandlung und –Bewertung aufgrund von geschlechtsbezogenen Stereotypen und Vorurteilen zugrunde liegt. Gerade, weil Sexismus in der Gesellschaft normalisiert ist, wird er kaum als solcher erkannt und benannt. Wann eine Handlung als sexistisch empfunden wird, kann auch von der jeweiligen Position abhängen. Während Frauen* verniedlichende Ausdrücke als sexualisierte Diskriminierung empfinden, werden sie von Männern als „harmlos“ und „süß“ aufgefasst. Indem solche Grenzüberschreitungen normalisiert und unsichtbar gemacht werden, wird die männliche Herrschaft reproduziert.
Daher möchten wir Menschen mit unserem Beratungsangebot einen Raum bieten, über die sonst als „unbedeutsam“ bewerteten sexistischen Erfahrungen zu sprechen, um daraus Handlungsperspektiven zu entwickeln. + vielleicht dazu schreiben, wie dies stattfinden soll 
 

Sexualisierte Gewalt 

 
Noch immer ist das Erfahren von sexualisierter Gewalt Teil der Lebensrealität vieler Frauen*. Dabei ist die Art und Schwere der Grenzverletzung zunächst nicht relevant, sondern im Fokus sollen die Verletztheit der betroffenen Person und das Gewinnen neuer Handlungsmöglichleiten stehen. Da dieser Umgang sowohl gesellschaftlich als auch rechtlich nicht der Norm entspricht (hier werden Betroffene als die eigentlichen Täter*Innen markiert und mit (Selbst-)Vorwürfen überhäuft), ist die Notwendigkeit ein parteiliches und empathisches Beratungsangebot zu schaffen umso dringender. Da wir allerdings auch wissen, dass wir keinen umfassenden Überblick über Handlungsoptionen (bspw. Therapeut*Innen, Anwält*Innen, rechtliche Abläufe, etc.) geben können, sollen Menschen die zu uns kommen einen Überblick über die möglichen Anlaufstellen und deren Grundsätze, Methoden und Arbeitsschwerpunkte erhalten. So können wir möglichst niedrigschwellig Menschen, die sexualisierte Gewalterfahrungen gemacht haben langfristig eine Unterstützung geben und ihnen einen Weg zurück in den selbstbestimmten Alltag ermöglichen.
 

Schwangerschaft, Familie, Verhütung 

Auch heute noch werden Frauen* als diejenigen Personen markiert, die sich bei sexuellen Kontakten verantwortlich fühlen sollen für die Schwangerschafts- und Krankheitsverhütung sowie die Familienplanung. Permanent unter dem Druck einer solchen Verantwortung und auch der finanziellen Belastung zu stehen kann überfordernd wirken. Menschen, die mit Problemen bezüglich Verhütung, Schwangerschaft(-skonflikt) und familiären Problemstellungen zu uns kommen wollen wir auf unterschiedliche Art und Weise helfen.
Zum einen besteht auch hier die Weiterleitung an externe Beratungsstellen, die sowohl spezialisierter geschulte Ansprechpersonen als auch mehr Ressourcen haben.
 

Trans*- und Inter*sexualität

In unserer Gesellschaft wird „Geschlecht“ vor allem als biologische Kategorie gesehen, die nur zwei Ausprägungen annehmen könne, nämlich „männlich“ und „weiblich“. Das hat den Grund, dass Fortpflanzung beim Menschen geschlechtlich stattfindet – und Nachkommen in einer patriarchalen, sozialdarwinistischen Gesellschaft als sinnstiftend sowohl für die einzelnen Menschen und Familien als auch die Gesellschaft als Ganze gelten. In der Logik ist es „gefährlich“, wenn es Personen gibt, die nicht in das Konzept eines biologisch determinierten Männlich- bzw. Weiblichseins passen, beispielweise wenn Menschen mit dem „falschen“ Chromosomensatz oder der nicht zum biologischen Geschlecht passenden Hormonausstattung unfruchtbar sind. 
Die Existenz und erst Recht die Sichtbarkeit von Menschen, die sich jenseits dieser starren, binären Geschlechtlichkeitsvorstellung befinden, bedroht die ideologische Vorstellung, Geschlecht sei immer eindeutig und biologisch determiniert und außerdem sowieso nur zur Fortpflanzung da. Die reaktionäre Antwort darauf ist Repression, mit der die Gesellschaft versucht, Menschen (wieder) in das „passende“ und „eindeutige“ Geschlechtlichkeitskonzept zu zwängen. Das kann die Form interpersoneller Diskriminierung annehmen, oft ist die Unterdrückung aber sogar staatlich institutionalisiert: Gewaltsame Vereindeutigungsoperationen, wenn Kinder mit unterschiedlichen Geschlechtsorganen zur Welt kommen, die Psychiatrisierung von Trans*gender oder einfach nur ein Formular, das lediglich die Felder „Herr“ und „Frau“ anbietet: Queere Geschlechtsidentitäten sollen verhindert oder zumindest unsichtbar werden. 
Für Betroffene bedeutet diese Repression Leiden und Traumata, die dann noch im Sinne der gesellschaftlichen Pathologisierung als Folge der „Krankheit“ Trans*- oder Inter*sexualität gelesen wird – und nicht als Folge der Diskriminierung.
Dem entgegen wollen wir in unserer Beratung versuchen, die Handlungsmöglichkeiten der Betroffen zu erweiterten – egal ob das Problem eher ein rechtliches, ein persönliches oder ein politisches ist – oder das Ganze noch gar nicht klar ist.
 
 

Konzept der Verweisberatung

Wie oben beschrieben, erfahren Frauen* in unserer Gesellschaft noch immer massive und vielfältige Diskriminierungen und Unterdrückungen. Damit sie damit nicht alleine gelassen werden, möchten wir gerne ein Beratungsangebot ermöglichen. Dabei ist uns natürlich bewusst, dass wir in vielerlei Fragen keine konkreten Antworten haben und auch oft nicht die Qualifikation und Ressourcen besitzen, um ausführlich auf die zu uns kommenden Personen einzugehen. Deswegen ist ein Großteil der dem Beratungsangebot vorgelagerten Arbeit die Recherche von und Zusammenarbeit mit externen Beratungsstellen, an die Personen mit ihren spezifischen Problemen und Fragestellungen weiterverwiesen werden können.

Vertrauliche, anonyme, parteiliche und solidarische Beratung: Jeden Dienstag und Donnerstag von 14 – 16 Uhr im AlleFrauen*-Raum (Raum 111, Allende-Platz 1, 20146 Hamburg)

Kontakt: allefrauen_referat@riseup.net
Kontakt für die Beratung: afr-beratung@asta.uni-hamburg.de
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