Sechs Jahre Gefängnis für feministische Kunst und Kultur?! Solidarität mit Julia Zwetkowa!

Sehr geehrte Mitglieder*innen der Universität Hamburg,

Derzeit (Mai) beginnen die Anhörungen im Prozess gegen Julia Zwetkowa in Russland. Julia Zwetkowa ist eine Künstlerin und feministische Aktivistin aus Komsomolsk-am-Amur in Russisch-Fernost. Sie leitete seit 2018 ein Jugendtheater, in einem von ihr und ihrer Mutter gegründeten Gemeindezentrumund entwickelte eine Vielzahl kreativer Projekte. Seit nunmehr zwei Jahren wird ihre Arbeit kriminalisiert, sie selbst mit Strafanzeigen überzogen, zu Geldstrafen verurteilt, stand Monate unter Hausarrest, nun umgewandelt in das Verbot die Stadt zu verlassen, und ist zu all dem Todesdrohungen ausgesetzt.

Für das Projekt „Eine Frau ist keine Puppe“, zu dem Zeichnungen gehören, die den weiblichen Körper destigmatisieren und positiv werten und die Verwaltung einer online-community unter dem Namen „Vagina-Monologe“ in der allerlei blumenartig bunte Vagina Darstellungen zu sehen sind, wurde sie der Herstellung und Verbreitung von Pornografie angeklagt. Darauf stehen bis zu sechs Jahren Haft!

Für Bilder zur Unterstützung gleichgeschlechtlicher Eltern „Familie ist da,wo Liebe ist“ wurde ihr „Propaganda von nichttraditionellen sexuellen Beziehungen gegenüber Jugendlichen“vorgeworfen, was in Russland seit 2013 eine Straftat ist.

Julias Zwetkowas Theater „Merak“, in den Kindern und Jugendlichemit ihr zusammen in unbeschwerter, geschützter Atmosphäre Theaterstücke zu Fragen ihrer Welt entwickeln konnten, wurde diskreditiert und die Kinder verstörenden Verhören durch die Polizei unterzogen. Der harmlose Titel eines Stückes „Rosa und Blau“ den ein 11-jähriger sich zum Thema Geschlechterstereotypen ausgedacht hatte, wurde zum Anlass genommen LGBTQ-Propaganda zu vermuten und dem Theater die Räumlichkeiten und Möglichkeiten zum Auftritt zu nehmen. Fünf Familien, deren Kinder dort spielten haben inzwischen wegen Anfeindungen die Stadt verlassen, Elternhaben Angst ihre Arbeit zu verlieren.

Offensichtlich ist Julias Aktivismus, der sich nicht im Rahmen der staatlichen Politik der traditionellen Werte bewegt den regierenden Autoritäten ein Dorn im Augeund soll mit allen Mitteln gebrochen werden. Das „Homosexuellen-Propaganda“ Gesetz macht positive Aussagen in der Öffentlichkeit zu Homosexualität praktisch unmöglich. Diese wird in Russland häufig mit Pädophilie assoziiert. Feminismus und Sexualerziehung werden im Zuge einer zunehmend konservativen Familienpolitik in Russland ebenfalls stigmatisiert.

Im laufenden Verfahren ist für Julia Zwetkowa wichtig Fürsprache zu finden, die gegenüber dem Gericht den künstlerischen und pädagogischen Wert ihrer Arbeit belegt. Finanzielle Unterstützung hilft die Prozesskosten zu tragen.

Der Fall Julia Zwetkowa hat bereits große mediale Aufmerksamkeit erregt. Das Stedelijk Museum in Amsterdam hat einige ihrer Arbeiten gekauft, der russländische Verband der Theaterkritiker und das Moskauer Journal „Teatr“ setzten sich Öffentlichkeitswirksam für Julia ein.

Seid nicht gleichgültig und unterstützt die Kampagnen für Julia Zwetkowa. Ihr könnt:

Gruppe der aktiven Studierenden der Universität Hamburg

Katrin Teichler, Alexey Markin, das Alle Frauen* Referat der UHH und der Fachschaftsrat des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg

#заЮлю #ямыЮлияЦветкова #свободуюлецветковой #свободуцветковой#

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