Redebeitrag 5.12.2015: Akif Pirincci und rechter Antifeminismus

Im Antifeminismus zeigt sich die Angst vor dem Aufbrechen festgefahrener Machtverhältnisse entlang einer geschlechtlichen Trennlinie. Er kommt dabei ganz ohne den Feminismus selbst aus.

Die Kategorie Geschlecht ist in reaktionären und rechten Weltbildern eine wichtige identitätsstiftende Kategorie. Ihr kommt Funktion des sozialen Platzanweisers zu. Eine Entnaturalisierung starrer geschlechtlicher Kategorien, wie sie mit der Vorstellung eines sozialen Geschlechts – also Gender – verknüpft wird, würde nach diesem Weltbild zur Auflösung der Gesellschaft beitragen. Denn wo geschlechtliche Identitäten als offen verhandelbar dargelegt werden, erscheinen auch andere Kategorien wie Kultur, Volk oder Heimat – also Grundpfeiler eines extrem rechten Weltbildes – als veränderliche Begriffe.

Die antifeministische Abwehrreaktion macht sich unter anderen in der Übernahme von Feindbildkonstruktionen eines omnipotenten Genderismus fest: Maskulinisten, extreme Rechte und fundamentalistische Christ_innen bis hin zur Bewegung der „Besorgten Eltern“ sprechen von einer Bedrohung durch den Genderismus.

Antifeminismus steckt außerdem in den verschiedenen Rollenbildern, die den Geschlechtern zugewiesen werden und den damit zusammen-hängenden politischen Themen. Er kommt im Gewand von Diskursen um Kinderschutz, Männerrechten und familienpolitischen Themen daher, mischt sich ein in die Debatten um reproduktive Rechte, und propagiert traditionelle Familienformen.

Der Mann steckt in der Krise, und überall belauern ihn die Feministinnen.

Die Debatten sind außerdem von einer Krisenmetaphorik durchzogen. Es gibt die „Krise der Familie“, die „Krise des Mannes“ und die „Krise der Kinder“. Hier wird häufig eine Rhetorik verwendet, die Gender und Gendermainstreaming zu Instrumenten totalitärer Regime erklärt.

Hinter der „Gender-Ideologie“ wirken die Gender Studies angeblich als ein Instrument zur Implementierung von Gender in der Gesellschaft weshalb es in regelmäßigen Abständen zu massiven Angriffen gegen Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik kommt.

In der behaupteten Krise geht es allerdings weniger um Familienpolitik als um den Erhalt von Privilegien in von Ungleichheiten durchzogenen Gesellschaftsverhältnissen. Frauen- oder Geschlechterspezifische Themen bedeuteten für rechte und reaktionäre Milieus die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen auf gesellschaftliche Debatten, der ihnen anderorts teilweise oder ganz verwehrt bleibt. Es geht um Diskursmacht, die über die Formulierung realpolitischer Forderungen erreicht werden soll.

Familien- oder andere geschlechtspolitische Themen fungieren als Scharnier zwischen konservativer, religiöser und extremer Rechter mit Verbindungen bis weit in den bürgerlichen Mainstream. Denn Vorstellungen starrer geschlechtlicher Kategorien und im Begehren aufeinander bezogener Geschlechter wird von Akteur_innengruppen auch außerhalb der extremen Rechten aggressiv verteidigt.

Anders gesagt: Der Antifeminismus bietet eine Anschlussmöglichkeit, um Stammtischmilieus, Konservative Intellektuelle, Rechtspopulisten, Fundamentalistische Christ_innen und die extreme Rechte zusammenzubringen.

Verbunden werden diese Milieus durch ein imaginiertes Bedrohungsszenario vom „Untergang des Abendlandes“ beziehungsweise der Angst vor der Auflösung/Zersetzung von Kultur und Gesellschaft.

Das Mobilisationspotential entsteht aus einer Kombination verschiedener rassistischer sexistischer, misogyner, trans- und homophober Ressentiments. Die Homophobie im Antifeminismus und bei den Maskulisten ergibt sich aus der Vorstellung davon wie Männer und Frauen zu sein haben. Der schwule Mann gilt als verweichlicht, weil er nicht der heterosexuellen Norm entspricht. Es dominiert die Angst vor dem nicht-männlichem Mann. Auch die Panik, zum Lustobjekt eines schwulen Mannes zu werden ist enorm.

Nazis und Rechtspopulisten bekämpfen aktuell wieder massiv Schwule. Dieser Diskurs ist ein anderer als noch vor ein paar Jahren, als Schwulenrechte von Seiten der extremen Rechten gegen den Islam angeführt wurden. Heute gibt es wieder verstärkt rechte Kampagnen gegen Schwule und Schwul-sein. So zum Beispiel bei den vergangenen Münchner Kommunalwahlen wo die „Bürgerinitiative Ausländerstop“ mit der Aussage „Schwule finde ich widerlich“ öffentlich auftrat.

Welche Funktion nimmt Akif Pirincci unter den Antifeministen und Maskulinisten ein?

Akif Pirincci ist bekannt dafür, besonders derb und explizit in seinen Formulierungen zu sein. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, statt dessen pöbelt er enthemmt drauflos. Er tut so als sei das eine Kunstform, dabei ist es einfach ekelerregend. An Pirincci kann mensch ablesen, wie sexistisch die antifeministische und Maskulinistenszene tatsächlich ist.

Denn dort findet sich jede Menge sexistisches Gehabe, aber kaum eindeutige Hetze gegen Frauen, bei Pirincci hingegen schon. Dieser reißt sich eben nicht zusammen. Er hetzt offen gegen alles, wo das Wort Gender drin steckt, gegen Frauen, gegen Schwule, und äußert sich zudem extrem rassistisch.

Pirincci ist außerdem relevant, da er das Thema „Kinder“ in den antifeministischen Diskurs miteingebracht hat. Dadurch, dass er mit seinen Äußerungen diesbezüglich alle moralischen Schamesgrenzen eingerissen hat, öffnete er ein Schleusentor für Hetze und Morddrohungen gegen Vertreter_innen emanzipatorischer Pädagogik.

Trotz seiner beleidigenden und menschenverachtenden Äußerungen erhielt er auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse eine Plattform, um sein aktuelles Werk „Die große Verschwulung“ (erschienen im Manuskriptum-Verlag) zu präsentieren.

Trotzdem muss darauf hingewiesen werden, dass Pirincci zwar ein bekannter Kopf ist, sein Einfluss jedoch relativ gering. Wichtiger sind hier eine Reihe anderer alter antifeministischer und maskulinistischer Männer, die ihren Scheiß in journalistischen Kontexten raushauen und deren Wirkmächtigkeit bedeutender ist, da sie in großen Medien publizieren. An diesen Autoren lässt sich außerdem ablesen, wie weit misogyne, homophobe und sexistische Meinungen noch heute in der Mitte der Gesellschaft vertreten sind. Als Beispiele seien hier Matthias Matussek (Spiegel), Alexander Kissler (Fokus), Michael Klonovsky (Fokus), Birgit Kelle und Volker Zastrow genannt.

Was heißt es, wenn sich die Germania Pirincci ins Haus holt:

Burschenschaften präsentieren sich gerne als radikale Outlaws, stellen sich als die Gegenseite dar, freuen sich aber immer, wenn der Mainstream ihnen folgt. Sie betreiben eine konforme Rebellion, indem sie antisexistisch und antifeministisch hetzen. Burschengehabe ist eben deshalb so eklig, weil sie sich gleichzeitig konservativ-männlich und rebellisch-frech geben: In der Gesellschaft vorhandene Werte werden jedoch nicht abgelehnt, sondern übersteigert vertreten.

An Pirincci gefällt der Germania vielleicht, dass er sich „traut, das zu sagen was alle denken.“

Wenn mensch Pirincci heute einlädt, dann soll wohl provoziert werden. Gleichzeitig werden auch die Positionen einer eingeladenen Person, als sagbar postuliert. Denn ein sexistischer Männerbund lädt Pirincci bestimmt nicht nur aus Lust am Streit ein. Sondern weil sie es toll finden, dass er es den Frauen und Schwulen mal so richtig gezeigt zu haben.

Diese Form von Sexistischer, Menschenverachtender Männerbündelei lassen wir nicht zu! Lasst uns dagegen gemeinsam auf die Straße gehen!

Fight sexism, fight misogyny, fight homophobia!

Redebeitrag für die Demo vom 05.12.2015 – Zusammen mit dem TakeBackTheNight-Bündnis.

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